Goodyear will Reifen auf Grundlage von Zucker herstellen
Es werden immer mehr: Autos, Busse, LKW, Flugzeuge. Alle dienen unserer Mobilität in einer immer globalisierteren Gesellschaft. Und alle haben eines gemeinsam: den Gummireifen. Unter dem Begriff Gummi versteht man zunächst ein Naturprodukt – den Kautschuk, der anschliessend durch ein spezielles Verfahren weiter verarbeitet wird.
Kautschuk ist der Milchsaft des Kautschukbaums. Dieser Naturkautschuk reicht aber bei weitem nicht aus, um den Bedarf an Gummi – nicht nur für Autoreifen – zu decken. Etwa die Hälfte dieses Basismaterials wird heute daher synthetisch aus Erdöl hergestellt. Hauptbestandteil sind lange, vernetzte Polyisopren-Ketten.
Diese langen Ketten machen aber noch keinen Gummi. Erst durch die Erfindung der Vulkanisation im Jahr 1839 durch Charles Goodyear wurde der Werkstoff Gummi erfunden. In dem Verfahren, das vulkanischen Prozessen nachempfunden ist, wird dem Basismaterial Kautschuk Schwefel zugeführt. Dabei kommt es dann zu einer Quervernetzung des Materials – und Gummi entsteht.
«Süsser Fortschritt»
171 Jahre nach dieser Erfindung macht sich das nach Goodyear benannte US-Unternehmen Gedanken, wie man wieder zu einem Reifen kommen kann, der frei ist vom knapper werden Rohstoff Erdöl. Goodyear und das dänische Unternehmen Genencor haben kürzlich ein Verfahren vorgestellt, das aus Biomasse synthetischen Kautschuk herstellt.
«Der neue Reifen wird ein süsser Fortschritt in Richtung umweltfreundlichem, nachhaltigem Transport», sagt Joseph McAuliffe, Forschungsleiter bei Genencor. Auf Basis eines Fermentationsprozesses würden Zuckerrohr, Maiskolben oder andere Biomasse mit Hilfe von modifizierten Bakterienstämmen zu Isopren umgewandelt. Dieses Bio-Isopren sei eine biobasierte, erneuerbare Alternative zu Isopren auf Erdölbasis.
Ab 2015 auf dem Markt
Bislang finden die Experimente noch im Labormassstab statt, aber bereits Ende 2013 soll Bio-Isopren im Industriemassstab hergestellt werden. Sobald Genencor diese Entwicklung abgeschlossen hat, übernimmt Goodyear das weitere Verfahren. Hierfür planen die Industrieforscher einen Zeitraum von weiteren zwei Jahren ein, um aus dem Biorohstoff einen konkurrenzfähigen Autoreifen herzustellen. 2015 soll der Bioreifen dann auf dem Markt sein.
Und der Bedarf an Reifen ist gross: Rund 200 Millionen Stück verkauft allein Goodyear jährlich. Aber nicht nur Autoreifen werden aus Isopren hergestellt. Ein riesiger Industriezweig verwendet Isopren als Basismaterial für die Polymerisation: Matratzen, Schwämme, Luftballons und Hygieneartikel werden etwa aus Isopren hergestellt. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, werden jährlich etwa 775 000 Tonnen synthetischer Kautschuk aus Erdöl hergestellt. Ein riesiger Markt für Biohersteller – wenn denn der Zucker reicht.
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